Kim Myung-jin und ihr traumhafter Realismus

Kim Myung-jin ist eine südkoreanische Malerin, die in ihrem Schaffen neue Welten kreiert. Dafür verbindet sie Erinnerungen, Emotionen und Fantasie mit realen Landschaften. Ihre künstlerische Handschrift bezeichnet sie als «Dreamlike Realism», auf gut Deutsch «traumhafter Realismus». Kim Myung-jin zeigt in ihrer Malerei Natur, Jahreszeiten und kleine Lebewesen in idealisierten Landschaften. «Dream Landscape» bewegt sich an der Grenze zwischen Realität und Traum. Das Konzept soll Trost und Erholung bieten und gleichzeitig vergessene Emotionen neu erwecken. Die Künstlerin lädt dazu ein, sich den Ängsten der modernen Gesellschaft zu stellen. Mit der Botschaft «Carpe Diem» bekräftigt sie das Hier und Jetzt.

Arbeitsmethoden und Materialien

Die Künstlerin verbindet realistische Naturdarstellungen mit imaginären Landschaften und kleinen Figuren. So entstehen Bilder, die Geschichten erzählen. Der intuitive Fluss des Pinsels ist Kim Myung-jin wichtiger als akribische Details. Das wiederholte Pinselführen wird dabei zu einem meditativen Prozess. Damit versucht sie, ihre eigenen Ängste zu heilen. Die Künstlerin fokussiert sich in ihrer Arbeit hauptsächlich auf die Verwendung von Ölfarbe. Durch den Einsatz eines Pinsels mit feiner Spitze erhöht sie die Dichte und schafft so eine Komposition mit Tiefe. Durch die geschichteten Pinselstriche und den Farbfluss visualisiert die Künstlerin den Wechsel der Jahreszeiten.

Dreamlike Realism

Diese Welt der Malerei verbindet verschiedene künstlerische Ausdrucksformen. Dazu gehören Realismus, Symbolismus, Surrealismus und östliche Malerei. Der Realismus vermittelt Darstellungskraft, während der Symbolismus emotionale Tiefe einbringt. Der Surrealismus ergänzt unbewusste Bilder. Die östliche Malerei prägt Leerräume und Stimmung. In diesem Zusammenspiel sucht Kim Myung-jin nach der emotionalen Wahrheit zwischen dem Sichtbaren und dem Gefühlten. Die Ästhetik der Leerräume bildet einen wesentlichen Bestandteil ihrer Bildkompositionen. Sie gehört zugleich zum Kern der östlichen Malerei. Leere ist dabei nicht nur ein freigelassener Raum. Sie bildet eine zeitliche Lücke, in der Gefühle verweilen und Gedanken fliessen. Zugleich regt sie die Betrachtenden zum Innehalten an. Blick und Gefühle dürfen in dieser Leere verweilen. So entsteht Raum für eine stille Auseinandersetzung mit dem eigenen Inneren.

Wiederkehrende Motive

In den Werken der Künstlerin finden sich wiederkehrende Motive wie der Mond, der Garten, Tiere und Rückenansichten von Figuren. Diese stehen in engem Zusammenhang mit der östlichen Symbolik. Der «Mond» steht für das Licht des Unbewussten und dient als Spiegel der Gefühle, während der «Garten» als Ort der Ruhe für die Seele und ein imaginärer Raum angesehen wird, in dem das Selbst verweilt. Die Rückenansichten der Figuren zeigen eine östliche Selbstwahrnehmung, bei der das Selbst nicht in den Vordergrund gestellt, sondern verinnerlicht und mit der Natur verschmolzen wird.

Eigene künstlerische Sprache

Kim Myung-jins Fokus liegt nicht auf der bloßen Darstellung, sondern auf der Evokation von Emotionen. Ihr Ziel ist es nicht, zu zeigen, sondern den Betrachter zum Verweilen einzuladen. Die Südkoreanerin bietet mit kontemplativen Landschaften, in denen Emotionen, Natur und innere Strömungen in Harmonie miteinander verschmelzen, eine visuelle Meditation an. Diese Meditation kann Menschen dabei unterstützen, emotionale Ruhe zurückzugewinnen. «Dreamlike Realism» ist eine malerische Brücke, auf der westliche Ausdrucksformen und östliche Spiritualität sowie entsprechende Empfindungen und Philosophien koexistieren. Diese einzigartige Verbindung hat sich als Kim Myung-jins ganz eigene künstlerische Sprache etabliert. Die Künstlerin verschmilzt den symbolistischen Ansatz des Westens mit der östlichen Ästhetik, um einen poetischen Raum zu schaffen, in dem Emotionen und Reflexion nebeneinander bestehen. Ihr Ziel ist es, durch malerische Heilung und emotionale Resonanz einen emotionalen Zufluchtsort zu bieten, der die Wunden des modernen Menschen lindert.

Anmerkungen der Künstlerin

Schon immer versuchten Künstlerinnen und Künstler, die sich stetig wandelnde Natur in ihrer Kunst festzuhalten. Auch ich betrachte die Natur nicht nur als Gegenstand der Nachahmung. Sie ist für mich ein Objekt des freien Ausdrucks. Zugleich dient sie als Medium der Kommunikation zwischen den Menschen. In der Welt existieren unterschiedliche Gefühle nebeneinander. Freude und Trauer, Hoffnung und Angst sowie Realität und Ideal bleiben miteinander verbunden. Durch die Natur fange ich diese Gefühle in einer einzigen Landschaft ein. Die Serie «Mongyu Sansu» dient als visuelle Dokumentation meiner spirituellen Praxis, mit dem Ziel, die Ängste des Lebens zu bewältigen. Der riesige Wald in meinen Werken steht für die Ängste, denen wir begegnen, symbolisiert aber gleichzeitig den Willen, diese Ängste zu überwinden und voranzuschreiten. Hierbei handelt es sich nicht um die tatsächlich existierende Natur, sondern um eine neu entstandene Landschaft in meinem Herzen. Die kleinen Lebewesen in meinen Werken sind durch ein verbindendes Element miteinander verbunden und erinnern uns an die herzlichen Beziehungen, die wir im Alltag oft vergessen.   

Galerie von Kim Myung-jin
Eine Auswahl ihrer Einzel- und Gruppenausstellungen